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22.01.16 09:22 Alter: 2 yrs

Wunschtraum Barrierefreiheit: Mit dem Rollstuhl im Fernbus

 

Vorschriften und Wirklichkeit für die Beförderung behinderter Reisender auf Fernbus-Strecken stimmen häufig nicht überein. Das gilt besonders für neue Bestimmungen zur Beförderung von Reisenden im Rollstuhl.

mid Groß-Gerau - Bei der Barrierefreiheit im Fernbus besteht Nachholbedarf. In einem Test des Portals CheckMyBus war Megabus der einzige Anbieter, der eine Beförderung im eigenen Rollstuhl auf allen Strecken anbietet. Megabus

mid Groß-Gerau - Bei der Barrierefreiheit im Fernbus besteht Nachholbedarf. In einem Test des Portals CheckMyBus war Megabus der einzige Anbieter, der eine Beförderung im eigenen Rollstuhl auf allen Strecken anbietet. Megabus

Vorschriften und Wirklichkeit für die Beförderung behinderter Reisender auf Fernbus-Strecken stimmen häufig nicht überein. Das gilt besonders für neue Bestimmungen zur Beförderung von Reisenden im Rollstuhl. Ob unklare Gesetzestexte, nicht kompatible Aufnahmen zur Befestigung der Rollstühle, unvollkommene Angaben zum Zugang mit dem Rollstuhl in den Bus und zu den Sanitärräumen oder auch Hindernisse und Hürden in der Infrastruktur an Busbahnhöfen und Haltestellen: Zahlreiche Faktoren erschweren Behinderten im Rollstuhl die Reise mit oder bereits den Einstieg in den Fernbus.

Das Fernbus-Suchportal CheckMyBus hat dabei jedoch erhebliche Unterschiede mit Blick auf die Barrierefreiheit der Fernbus-Anbieter ermittelt. Nur wenige Busunternehmer betreiben eine barrierefreie Flotte, die Anbieter MeinFernbus Flixbus oder Eurolines halten aktuell laut CheckMyBus noch keinen Rollstuhlplatz bereit. Bei Postbus wird während der Buchung darüber informiert, ob auf der Wunschstrecke ein Rollstuhlplatz zur Verfügung steht.

Dabei sollte dieses günstigere Beförderungsmittel nach der Liberalisierung des Fernbusmarktes für alle da sein, auch für Behinderte: Deshalb müssen seit dem 1. Januar 2016 alle Neufahrzeuge nach den Bestimmungen des Personenbeförderungsgesetzes mit mindestens zwei Stellplätzen für Rollstühle ausgestattet sein. Durch eine Änderung des Gesetzes sollten die Voraussetzungen für Barrierefreiheit geschaffen werden, die von der EU-Vorschrift 181/2011 gefordert wird.

Diese Vorschrift führte zur Änderung des Gesetzes, wonach möglichst allen Kunden diese Fernbusse zugänglich sein sollten. Bis zum 1. Januar greift sie aber nur für Busse, die neu in den Dienst gestellt werden. Vom Beginn 2020 an gilt die Vorschrift zur Einrichtung der Rollstuhlstellplätze dann für alle Fernbusse. Die Fernbus-Suchmaschine CheckMyBus hält umfangreiche Informationen zum Thema Barrierefreiheit bereit und rät interessierten Fernbuskunden dazu, sich vor Buchung der Reise bei den Anbietern oder über das Internetportal zu erkundigen.

Wobei viele Schwierigkeiten wohl vom Gesetzgeber bei der Freigabe der Fernbus-Strecken überhaupt nicht beachtet wurden. Das beginnt schon bei den Rollstühlen: Nach Angaben von CheckMyBus geht der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer davon aus, dass nur zwanzig Prozent aller Rollstühle in Deutschland die Auflagen zur Behinderten-Beförderung in Omnibussen erfüllen. Das wiederum zwingt die Betroffenen dazu, aufwendige Recherchen über technische Details vor der Buchung anzustellen, ob es nicht nur die Möglichkeit der Rollstuhl-Mitnahme gibt, sondern auch, ob das eingesetzte Gerät dafür geeignet ist. Zudem gibt es laut dem Vergleich des Portals sehr unterschiedliche Regelungen bei den Anbietern für die Beförderung, zu Rabatten und Begleitpersonen und für die nötigen Vorbuchungs-Fristen.

Berlin Linien Bus bietet die Beförderung im eigenen Rollstuhl auf ausgewählten Linien an. Sieben Tage im Voraus muss gebucht werden. Einen Rabatt für Behinderte gibt es nicht. Bis auf den Wegfall der Vorbuchungsfrist gelten die gleichen Regelungen bei Postbus. Bei DeinBus.de, Eurolines Germany und MeinFernbus FlixBus ist eine Reise im eigenen Rollstuhl nicht möglich. Dafür gewähren diese Anbieter Rabatte von 100 Prozent (Deinbus.de), 50 Prozent auf ausgewählten Strecken, die aber nicht online gebucht werden können (Eurolines), und generell 50 Prozent (MeinFernbus FlixBus). Einzig der Anbieter megabus bietet eine Beförderung im eigenen Rollstuhl bei eine Buchung 48 Stunden vor der Fahrt auf allen Strecken an, allerdings ohne Rabatt. Eine wirkliche Barrierefreiheit in Fernbussen sieht sicher anders aus.

Quelle: unternehmen-heute.de